Schmerz, lass nach!

Schmerz, lass nach!

Laut Bundesamt für Statistik erkrankt in der Schweiz mehr als einer von fünf Menschen vor dem 70. Lebensjahr an Krebs. Dank moderner Therapien überleben immer mehr Patienten die Krankheit. Oft leiden sie jedoch unter erheblichen Nebenwirkungen, wie z.B. dem Hand-Fuss-Syndrom. Ihre Hilfe ist in solchen Fällen Gold wert!

Das Hand-Fuss-Syndrom (kurz: HFS), auch palmar-plantare Erythrodysästhesie (PPE) genannt, ist eine schmerzhafte Schwellung und Rötung der Haut vor allem an Handinnenflächen und Fusssohlen. Das HFS kann als Nebenwirkung einer Chemotherapie mit Zytostatika auftreten. Zytostatika wirken relativ unspezifisch gegen alle Zellen. Besonders betroffen sind Zellen, die sich häufig teilen. Das trifft auf Tumorzellen zu, aber auch auf gesunde Zellen, z. B. auf die des Blut- und Immunsystems, auf Haut-, Schleimhaut- und Haarzellen. Eine Chemotherapie führt hier deshalb häufiger zu Nebenwirkungen. Die Symptome können sich dabei bereits nach der ersten Behandlung, aber auch erst im Verlauf einer Chemotherapie zeigen.

Wie entsteht das Hand-Fuss-Syndrom?

Das HFS ist eine dermatologische Reaktion, die bei Patienten unter Chemotherapie mit Therapeutika wie 5-Fluorouracil, Capecitabin oder PEG-Liposomen-Doxorubicin beobachtet wurde. Zu welcher Phase und wie es entsteht, lässt sich nicht genau definieren. Das Hand-Fuss-Syndrom ist nicht lebensbedrohlich, aber es führt zu Schmerzen und Unwohlsein und ist für den Patienten eine zusätzliche sicht- und spürbare Belastung. Das HFS wird in drei Schweregrade unterteilt:

  • 1. Grad: schmerzlose Rötungen, Taubheitsgefühl und Kribbeln, jedoch ohne Funktionsstörungen
  • 2. Grad: schmerzhafte Rötungen mit Schwellungen, die die Alltagstätigkeiten beeinträchtigen können
  • 3. Grad: Hautschuppung, Blasenbildung, Entzündungen, starke Schmerzen, teilweise offene Wunden und erhebliche Beeinträchtigung täglicher Aktivitäten

Professionelle Hilfe bieten

Glücklicherweise gibt es heute die Möglichkeit einer Weiterbildung zur onkologischen Fusspflege bzw. zum PPE-Spezialist. Fakt ist, dass ein onkologischer Patient immer auf der Suche nach einer Fachberatung ist, welche in dieser Thematik geschult ist und sowohl die passende Behandlung in der Kabine durchführt als auch die passenden Pflegeprodukte empfehlen kann.

Tipps für Betroffene

Um dem Auftreten des HFS vorzubeugen, empfehlen Wissenschaftler die tägliche Hautpflege mit 10 %iger Urea-Creme und eine umsichtige Verhaltensweise. So sollten Druck und Reibung an Händen und Füssen vermieden werden, also z. B. lange Fussmärsche, das Anheben schwerer Gegenstände oder das Öffnen von Wasserflaschen. Vorsicht ist auch bei Hitze (Sonnenbad!), heissem Wasser und chemischen Reinigungsmitteln geboten.

Autorin: Kerstin Schmid-Siklic, Dozentin für onkologisch-kosmetische Weiterbildungen

 

 

 

 

 

Fotos: Fotolia/PORNCHAI SODA

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